Als Lektorin liebe ich Geschichten! Deshalb habe ich die Teilnehmerinnen meiner ersten Blogparade eingeladen, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Ich wollte wissen: Wenn dein Leben ein Buch wäre – wie würde das aktuelle Kapitel heißen?

Acht Frauen haben mir Einblick in ihr aktuelles Kapitel gegeben – darüber freue ich mich riesig. Jede Geschichte ist anders, jede Perspektive einzigartig. Und doch verbindet sie alle eines: den Mut, einen Moment innezuhalten, auf das eigene Leben zu schauen und etwas davon in Worte zu fassen.

Um die Autorinnen und ihre Beiträge noch einmal ganz besonders zu würdigen, habe ich die Geschichten im Folgenden zusammengefasst. Wer tiefer in das eine oder andere Kapitel eintauchen möchte, kann ganz einfach dem entsprechenden Link folgen.

Viel Freude beim Lesen – und vielleicht bringt dich das eine oder andere Kapitel ja auch dazu, über den Titel deines eigenen aktuellen Kapitels nachzudenken.

Stella: Aufblühen 2.6

Noch bevor ich meinen eigenen Beitrag zu der Blogparade geschrieben hatte, war Stellas Kapitel schon da! Sie hat es geschrieben, während sie von einem Kurzurlaub mit dem Zug von Italien nach Wien zurückfuhr. Und sie stellt fest, dass ihr aktuelles Kapitel ein Cliffhanger ist! Es soll Lust machen auf ihre nächsten Abenteuer und trägt den Arbeitstitel „Aufblühen 2.6“.

Daril möchte Stella ihre bisherige Geschichte konsequent fortsetzen. Stella blüht weiter auf! Und vielseitig wird es ebenfalls: Zum einen handelt es sich um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Zwillingsgeschwistern – eine Liebe, „die jeglichen Raum und Zeit überwindet. Und damit die Grenzen der Realität sprengt.“ Zum anderen spielt eine Villa eine wichtige Rolle. Mit ihr verbunden ist eine Geschichte, die bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges zurückreicht. Und dann sind da noch die transgenerationalen Verstrickungen, die sich durch die Geschichte ziehen.

Spannend, oder?

Stella selbst schreibt:

Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, mal Fiction zu schreiben. Ob es mir mit diesem neuen Kapitel, dieser Story, diesem neuen Buch gelingt? Mal gucken. Ich bin gespannt.

Da geht mir als Lektorin natürlich das Herz auf! Also ich bin auch gespannt!

Link zu Stellas Beitrag


Bettina: Angekommen

Nachdem Stella vorgelegt hatte, musste ich natürlich auch liefern! Ich kenne mein aktuelles (Lebens-)Kapitel ja, aber der positive Druck, es nun tatsächlich auch aufzuschreiben, war ganz gut. Ich nenne es „Angekommen“.

Während Stella bereits in die Zukunft blickt und plant, bin ich erst einmal in der Gegenwart und „verschnaufe“ (auf gut Schwäbisch). Nach einem langen, eher dunklen und schweren Kapitel lasse ich mich gerade auf ein neues ein. Und stelle voller Freude und Dankbarkeit fest, dass ich jetzt dort bin, wo mein Grundschul-Ich immer hinwollte; und dass sich das sooo richtig anfühlt.

Ich wusste nämlich schon in der Grundschule, dass ich „Schriftstellerin“ werden wollte. Allerdings habe ich dann – aus Unsicherheit, Vernunft und anderen Gründen – vieles gemacht, nur nicht diesen Wunsch verfolgt. Es ist viel passiert, bis ich in meinem aktuellen Kapitel angekommen bin. Und einige Kapitel davor waren ganz schön heftig.

Aber jetzt bin ich da.

Angekommen.

Link zu meinem eigenen Beitrag


Eva: Volle Kanne, dann rechts ab …

Als nächstes durfte ich Evas Beitrag lesen. Sie wird dieses Jahr 60 und fängt noch mal von vorn an. Und das mit Begeisterung, wie mir scheint.

Es passiert viel in Evas Kapitel: beruflich und privat, was den Beziehungsstatus anbelangt und den Wohnort. Jedes Unterkapitel wird überarbeitet. Zum Beispiel das Thema Arbeit:

Mein eigentliches Arbeitsleben liegt hinter mir. Ich muss mit dieser Arbeit nichts mehr beweisen und niemanden mehr beeindrucken. Ich mache sie, weil sie genau die Arbeit ist, die ich mir immer gewünscht habe.

Und so geht es munter weiter: Eva hat jetzt Zeit für ihre Enkel und heiratet noch einmal und geht mit voller Kanne rein“ in diese neue Lebensphase. In ihrer Wahlheimat macht sie es sich ein bisschen ruhiger als früher – die Intensität mit der sie lebt, behält sie aber bei.

Und ehrlich ist sie auch. Denn natürlich ist dieses neue Kapitel nicht nur Sonnenschein:

Das ist kein glattes Kapitel. Es hat Sonne und es hat Tage, an denen ich seufze und sogar mal verzweifelt bin. Aber es ist meins, von der ersten bis zur letzten Zeile.

Ich finde: Genau das macht Evas Kapitel so sympathisch. Es ist nicht perfekt. Aber es gehört ihr. Und sie schreibt es selbst.

Link zu Evas Beitrag


Inga: Liebe, Verlust und Aufbruch

Ingas Beitrag ist mehr als das von mir gewünschte (Lebens-)Kapitel: Er ist gleichzeitig ihr 100. Blogartikel und ein Beitrag zu Gabi Kremeskötter Blogparade zum Thema „Liebe, Verlust und Aufbruch.

Mir hat besonders gefallen, dass ihr aktuelles Kapitel mit einem Waldbadenkurs angefangen hat. (Ich habe auch einen Lehrgang dazu abgeschlossen!). Dabei hat sie ihre Liebe zu Wildpflanzen wiederentdeckt. Im weiteren Verlauf des Kapitels ist sie außerdem zu einer Geschichtenerzählerin geworden – auch das feiere ich als Lektorin natürlich!.

Inga benennt die Protagonisten ihres Kapitels – und das mit einem wunderbaren Bild:

… ohne die folgenden Menschen wäre mein Fluss nur ein Rinnsal, das nicht weit weg von der Quelle bereits versiegt.

Und dann kommt ihr ganz persölicher Verlust: Inga verliert ihren „Newbie-Status“ als blutige Blog-Anfängerin. Wobei sich dieser Verlust für sie eigentlich eher wie ein Gewinn anfühlt. Ein bisschen trauert sie dem Anfängerstatus trotzdem hinterher – aber eben nur ein bisschen.

Denn:

Ich bin gewachsen und ich wachse weiter. 

Und genau dieses „weiter“ macht für Inga auch den Aufbruch aus. Sie will nicht unbedingt schneller werden oder irgendwo anders hin. Sie beschreibt ihren Aufbruch vielmehr als „Strömung, in der ich bleibe.“

Ich finde, das ist ein wunderschönes Bild für ein Kapitel, in dem jemand seinen eigenen Rhythmus gefunden hat.

Da möchte man doch gern mitgehen, oder?

Link zu Ingas Beitrag


Doro: Das Kapitel, in dem ich endlich meine eigene Geschichte schreibe

Auch Doros Kapitel hat mich sehr angsprochen – sie schreibt darin endlich ihre eigene Geschichte. Und das, nachdem sie lange Zeit Orientierung im Außen gesucht hat. Wie gut ich das kenne!

Doro hält in ihrem Beitrag diese Erkenntnis fest:

… wahre Inspiration ist nicht die eine richtige Vorlage, die man einfach nachbauen muss. Ich möchte nicht einfach übernehmen, was für andere funktioniert, wenn es sich für mich nicht stimmig anfühlt.

Genau diese Botschaft möchte sie auch als Lerncoach weitergeben: dass es nicht den einen ricchtigen Weg gibt.

Und so fühlt sich ihr aktuelles Kapitel für Doro an wie ein Experiment. Sie probiert Dinge aus, lässt sich von neuen Ideen überraschen, geht Schritt für Schritt, und das auf ihre Art.

Link zu Doros Beitrag


Raphaela: Es ist laut hier

Raphaelas Kapitel hat eine sehr spezielle Energie. Die springt einen sofort an, wenn man liest, wer oder was darin alles mitspielt: ein Kleinkind, ein Hund, eine Selbstständigkeit, ein Hundeleinen-Shop, eine zu klein gewordene Wohnung.

Und Raphaela mittendrin:

Und ich, dritter Kaffee um 10 Uhr, Atemtechniken je nach Lage zum Runterkommen oder Hochfahren, Musik für die Laune.

Während Raphaela ihre vorherigen Kapitel offenbar ordentlich sortiert und strukturiert erlebt hat, laufen jetzt drei Handlungsstränge gleichzeitig – und keiner nimmt auf den anderen Rücksicht.

Mir hat die Selbstironie gefallen, mit der sie ihr aktuelles Kapitel beschreibt. Und auch das, was es sie lehrt – „unfreiwillig, aber gründich“. Nämlich genau das zu tun, was sie predigt: Sich ein System aufzubauen, das ohne sie weiterarbeitet.

Ihr nächstes Kapitel wünscht sie sich mit 28 anstatt 20 Wochenstunden, mit einem laufenden Shop und einem Kind „das die Nacht als Konzept akzeptiert hat“.

Ich drücke Raphaela ganz fest die Daumen und hoffe, dass sie ihren Humor dabei bewahrt!

Link zu Raphaelas Beitrag


Katja: Wieder zuhause. Jetzt auch digital

Katja hat mein Thema dazu genutzt, zu beschreiben, wie aus ihrer Webseite ein Heimathafen wurde. Und als Genre für ihr aktuelles Kapitel nennt sie:

… ein Road Movie im Wasser – im Fluss, im doppelten Wortsinne. Also ein Flow-Movie.

In ihrem aktuellen Kapitel ist Katja umgezogen – nicht mit Sack und Pack, sondern mit Blogartikeln, Bildern und allem, was sonst noch zu einer Website gehört. Dabei hat sie etwas erlebt, was sie mittlerweile „technische Selbstwirksamkeit“ nennt: die Entwicklung von „Das kann ich nicht“ zu „Ich glaube, auch ich kann das lernen“.

Der Wendepunkt in ihrem Kapitel ist gar nicht die Website, stellt sie im Nachhinein fest. Die ist „nur“ das sichtbare Ergebnis. Der Wendepunkt steckt für sie in diesem Satz:

Ich habe begonnen, mir selbst zuzutrauen, Dinge zu lernen, vor denen ich früher zurückgeschreckt bin.

Ich mag diesen Ansatz sehr und fühle mich prompt inspiriert, auch bei mir selbst nach so einem Wendepunkt zu suchen.

Link zu Katjas Beitrag


Susanne: Zwei große Ziele verfolgen

Dann kam das Kapitel von Susanne Pohl – worüber ich mich sehr gefreut habe. Susanne habe ich beim Schreibretreat von Christine Kämmer in Paris kennengelernt und als ich die Überschrift ihres aktuellen Lebenskapitels las, musste ich grinsen. Sie passt so gut zu Susanne, die immer eine Überraschung in der Hinterhand hat.

Susanne schreibt von zwei großen Zielen, die sie gerade verfolgt.

Vom ersten wusste ich bereits. Sie arbeitet an einem Thriller, den sie in einem Pulikumsverleag veröffentlichen möchte. Ein super Ziel für eine Autorin – und ich finde es bewundernswert, wie hartnäckig sie es verfolgt. Mittlerweile setzt sie zum Schlusssprint an: In diesem Monat will sie das Manuskript fertig überarbeiten. Danach beginnt sie damit, es Agenturen anzubieten.

Soweit, so bekannt.

Aber dann kam Ziel Nummer zwei – und das hat mich wirklich geflasht: Susanne möchte wieder Thaiboxen trainieren!

Von dieser Leidenschaft war in Paris nicht die Rede. Es hat mich sehr berührt zu lesen, wie Susanne in den vergangenen Jahren darum gerungen hat, diese Leidenschaft weiter ausleben zu können. Umso schöner, dass sie jetzt soweit ist und wieder mit dem Training beginnen kann.

Zwei große Ziele also. Eines für ihre Geschichte auf dem Papier – und eines für ihre eigene Geschichte. Ich drücke für beide ganz fest die Daumen!

Link zu Susannes Beitrag


Martina: Neuanfang mit 60 +++

Den Schluss meiner ersten Blogparade machte Martina mit einem Neuanfang. Ihr Beitrag ist mutig und Mut machend:

Eine schwere Krise zu überleben, ist wie eine zweite Chance, ein weiterer möglcher Anlauf. Es birgt eine Hoffnung auf Neues, eine Kehrtwende, eine Abkehr von Schädlichem. Sich bewusst zu machen, was mich in die Krise gebracht hat. Was ausnahmlos ich selber bin. Durch meine Vorstellungen, Handlungen, Nicht-Handlungen, mein Verhalten, meine Gedanken. Alles in dieser Richtung hat eine Auswirkung auf mein Leben.

Martina hat eine Krise durchlebt und stellt in ihrem Beitrag fest, dass danach das Leben nicht einfach weitergeht. Nein, „es sortiert sich neu und anders“.

Und für Martina bedeutet das Überstehen der Krise auch, Verantwortung für das neue Kapitel zu übernehmen. Sie möchte schlechte Gewohnheiten aussortieren – von zu viel Zucker über Gedankenkarusells bis zu Erwartungen, die ihr übergestülpt werden. Ihr neues Kapitel soll einen Realitäts-Check beinhalten – auch wenn dieser schmerzhaft wird.

Martina sieht es als ein Geschenk an, und sie möchte dieses Geschenk annehmen, indem sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernimmt.

Ich schließe meine Zusammenfassung mit Martinas Essenz am Ende ihres Beitrags. Weil sie ein starkes Statement ist. Und weil ich finde, dass jedes (Lebens-)Kapitel diese Essenz enthalten sollte:

Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich tun soll.

Ich treffe eigene Entscheidungen und nehme die Verantwortung dafür. Auch, wenn was schief geht.

Meine innere Überzeugung ist, dass es immer einen Weg und eine Lösung gibt.

Mein Motto ist: „Da geht noch was, weißt du.“

Link zu Martinas Beitrag