Vielleicht fragst du dich ja: WTF ist ein TCS-Barcamp? Und was macht eine Lektorin da? Und warum sollte mich das interessieren? Dann lies jetzt bitte weiter, denn genau diese Fragen werde ich in diesem Blogartikel beantworten. Vieles, was ich von meinem Erlebnis mitgebracht habe, betrifft nämlich auch dich, wenn du ein Buch schreibst. Denn es ging um Sichtbarkeit. Um die eigene Stimme. Ums Überwinden von Selbstzweifeln. Um Kreativität.
TCS – schnell erklärt
TCS steht für The Content Society, eine Community für Bloggerinnen und alle, die es werden wollen. Dahinter steht Judith Peters aka Sympathexter. Judith bloggt seit 2005 und hat 2021 die TCS gegründet.
Ich bin durch ihre Aufrufe zum „Jahresrückblog“ auf sie aufmerksam geworden, habe mich Ende 2025 von ihr zu meinem ersten Jahresrückblick als Selbständige verführen lassen, habe damit meinen Blog gestartet und bin auch gleich TCS beigetreten.
Die TCS mit ihren regelmäßigen Online-Calls hilft mir ungemein dabei, mich immer wieder hinzusetzen und einen Blogartikel zu schreiben. Ich komme immer wieder ins Tun, baue langsam aber sicher meinen Blog auf und werde damit auch sichtbarer für meine WunschkundInnen: (angehende) BuchautorInnen und Selfpublisher.

Barcamp – schnell erklärt
Ein Barcamp ist eine Moderationsform, die sich für Treffen ab 20 Teilnehmer eignet. Es ist kein klassisches Event mit festen Vorträgen. Es lebt davon, dass die TeilnehmerInnen selbst ihre Themen mitbringen, sie präsentieren und mit anderen diskutieren. Das bedeutet: keine Frontalbeschallung, kein reines Konsumieren – sondern ein Tag voller Sessions, die genau das widerspiegeln, was die Menschen vor Ort gerade bewegt.

Acht Stunden volles Programm
Ankommen und beschnuppern
Bevor es um 9 Uhr im Plenum losging, trudelten die Teilnehmerinnen ein. Als Neuling hatte ich noch keine der Frauen persönlich getroffen, war aber ruck-zuck in sehr angenehme Gespräche verwickelt. Ich lernte meine Lektorinnen-Kollegin Christine kennen, die ich schon in Online-Veranstaltungen der Romanschule erlebt hatte. Auf einmal stand Dr. Laila Schmidt neben mir, der ich Feedback auf ihren Blogartikel zum Weltfrauentag gegeben habe. Und dann quatschte ich mich mit Stella fest, und wir waren von 0 auf 100 sofort auf einer Wellenlänge.
Die Qual der Wahl
Judith und Stefanie, die in der TCS regelmäßig eine Blog-Sprechstunde anbietet, organisierten mit uns den Tagesablauf. An Stellwänden hatten sie fünf Zeitslots markiert, für die wir Themen vorschlagen konnten. Pro Slot standen uns vier unterschiedliche Räume zur Verfügung. Wer wollte, konnte eine Präsentation, einen Workshop oder eine Diskussionsrunde vorschlagen. Hier zeigte sich, wie vielfältig die Interessen, die Begabungen, die Geschäftsideen innerhalb der TCS sind. Die Stellwände füllten sich mit Sessions über Marketing, das Imposter-Syndrom, die Wirkung von Farben, Gebärdensprache und noch vieles mehr. Auch mein Angebot war dabei: „Frag die Autorin/Lektorin“. Denn auch unter den Bloggerinnen gab es einige, die sich fürs Schreiben, Überarbeiten und Veröffentlichen interessieren.
Nun hatten wir die Qual der Wahl. Jede von uns war aufgefordert, sich ihren ganz persönlichen Plan aufzustellen. Gar nicht so leicht, denn es waren viele unterschiedliche Perspektiven und viele Wissensgebiete zusammengekommen.
Irgendwie erinnerte mich dieses Auswählen auch an den Schreibprozess. Auch dort stehst du immer wieder vor einer vergleichbaren Herausforderung: Alles gleichzeitig erzählen kannst du nicht. Du musst auswählen. Schwerpunkte setzen. Deinen eigenen Weg finden.
Genau das haben wir an diesem Tag ganz konkret erlebt.
Vier Sessions – auf mich zugeschnitten
Ich habe mich für vier Sessions entschieden, die mich auf ganz unterschiedliche Weise weitergebracht haben. Und ich fand immer auch einen Verknüpfungspunkt zum Thema Schreiben:
In der Session zum Thema People Pleasing von Generose Sehr bin ich einem Anteil in mir begegnet, den ich nur zu gut kenne:
dem Wunsch, „einfach zu funktionieren“. Quadratisch, praktisch, gut.
Lange dachte ich, ich müsste diesen Anteil loswerden. Aber mittlerweile sehe ich das anders.
Er darf da sein – aber er muss nicht die Führung übernehmen.
Und hier sehe ich eine Verbindung zum Schreiben:
Texte, die es allen recht machen wollen, verlieren oft an Klarheit und Kraft. Die eigene Stimme wird leiser. Glatter. Austauschbarer. Im Lektorat geht es mir deshalb auch darum, deine Stimme herauszuhören und sie wenn nötig auch wieder freizulegen.
Das Thema ADHS bei Lorena Hoormann hat noch einmal eine ganz andere Tür geöffnet! Ich bin selbst nicht diagnostiziert – und trotzdem finde ich mich in einigen Beschreibungen wieder. Vor allem in der Art, wie Gedanken springen, wie Ideen entstehen, wie schwer es manchmal ist, den Fokus zu halten – oder ihn, wenn es mich gepackt hat, wieder loszulassen …
Sich damit zu beschäftigen, hilft – unabhängig von einer Diagnose.
Nicht nur, um sich selbst besser zu verstehen, sondern auch, um anderen mit mehr Verständnis zu begegnen.
Und auch das hat ganz konkret mit Schreiben zu tun:
Jeder Mensch schreibt anders, erlebt den Schreibprozess anders, kämpft mit anderen Herausforderungen.
Je besser ich die Hirne von AutorInnen kenne, desto individueller kann ich sie begleiten.
Personal Branding begegnet uns inzwischen überall. Peggy Bendler hat sich dem Thema aus einer buddhistischen Perspektive genähert.
Personal Branding spielt nicht nur für AutorInnen eine Rolle, sondern auch für mich als Lektorin. AutorInnen sollen schließlich schnell ein Gefühl dafür bekomme, wofür ich stehe. Ob die Chemie zwischen uns passen könnte. Ob sie sich durch mich angesprochen, gesehen, wertgeschätzt fühlen.
Und dann war da noch das Insta-Reel.
Ein eher praktischer Programmpunkt, angeleitet von Martina Lörracher – und gleichzeitig eine schöne Möglichkeit, die Stimmung dieses Tages festzuhalten. Wenn du magst, schau gern auf meinem Instagram-Kanal vorbei – dort bekommst du einen kleinen visuellen Eindruck davon, wie sich dieses Barcamp angefühlt hat.
Mein eigener Beitrag: Fragen rund ums Buch veröffentlichen
Meine eigene Session trug den Titel: „Frag die Autorin/Lektorin“.
Ich war gespannt, welche Fragen kommen würden. Ob es um Stil geht, um Dramaturgie, um Überarbeitung.
Aber es kam anders. Die meisten Fragen drehten sich gar nicht um das Schreiben selbst – sondern um das Danach.
👉 Wie kommt mein Buch in die Welt?
👉 Selfpublishing oder Verlag?
👉 Wie schaffe ich es in den Buchhandel?
👉 Und welche Rolle spielt Social Media dabei?
Und ja, auch in dieser Phase kann ich AutorInnen begleiten. Denn natürlich ist das „fertige“, das lektorierte und korrigierte Manuskript nicht das Ende des Weges. Für viele beginnt die eigentliche Herausforderung erst danach.
In der Session konnte ich meine Erfahrungen teilen: aus dem Selfpublishing, aus der Zusammenarbeit mit AutorInnen,
aus dem Blick hinter die Kulissen.
Und gleichzeitig wurde mir wieder bewusst,
wie eng Schreiben, Überarbeiten und Veröffentlichen zusammenhängen. Ein Text entsteht nicht im luftleeren Raum.
Er ist immer auch Teil eines größeren Ganzen.
Und genau deshalb denke ich Lektorat nie isoliert – sondern immer im Zusammenhang mit dem Weg, den ein Buch später gehen soll.

Was ich mitgenommen habe
Nach diesem erfüllenden Tag bin ich mit mehr nach Hause gefahren als nur mit ein paar neuen Impulsen.
Da war vor allem dieses Gefühl von Gemeinschaft.
Wir alle ringen an ähnlichen Stellen.
Und genau deshalb entsteht in so einem Raum etwas Besonderes: Nicht Konkurrenz, sondern Austausch.
Nicht „höher, schneller, weiter“, sondern echtes Miteinander.
Das macht vieles leichter.
Vielleicht kennst du das auch – dieses Gefühl, allein vor deinem Text zu sitzen und zu denken:
„Warum ist das eigentlich so schwierig?“
Spoiler: Du bist nicht allein damit.
Ein zweiter Gedanke, der mich begleitet hat, betrifft mein eigenes Selbstverständnis.
Ich bin zu diesem Barcamp gefahren, um zu lernen. Und bin nach Hause gegangen mit dem Gefühl: Ich habe auch etwas zu geben.
Meine Session hat mir das noch einmal deutlich gemacht.
Die Fragen, die gestellt wurden. Die Gespräche, die daraus entstanden sind. Das Interesse an meinem Wissen.
Das alles hat mir gezeigt: Auf meinem Gebiet bin ich Expertin. Und ich darf dieses Wissen teilen.
Nicht irgendwann. Nicht „wenn ich noch besser bin“. Sondern jetzt.
Und vielleicht ist das auch ein Gedanke für dich, wenn du gerade schreibst:
Deine Perspektive ist wertvoll. Genau so, wie sie ist.
Und dann war da noch etwas, das schwerer in Worte zu fassen ist – aber genauso präsent:
Eine Form von Frauenpower, die sich ganz still entfaltet.
Ohne Konkurrenzdenken. Ohne Vergleiche. Ohne dieses unterschwellige „Wer ist hier besser?“ Stattdessen:
Unterstützung, Interesse, ehrliche Freude am Erfolg der anderen.
Ich habe diesen Tag als unglaublich stärkend erlebt.
Und bin mit dem Gefühl gegangen, Teil von etwas zu sein, das trägt.
Fazit
Als ich mich für das TCS-Barcamp angemeldet habe, war ich vor allem neugierig.
Neugierig auf die Menschen.
Auf die Themen.
Und darauf, was passiert, wenn so viele unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.
Was ich nicht erwartet habe:
wie viel ich von diesem Tag mitnehme – fachlich, aber vor allem persönlich.
Ich bin hingefahren, um zu lernen.
Und bin zurückgekommen mit neuen Impulsen, mehr Klarheit und dem Gefühl, genau auf meinem Weg zu sein.
Als Lektorin, als jemand, der mit schreibenden Menschen arbeitet. Und mit der Gewissheit, dass ich etwas weitergeben möchte: Klarheit, Vertrauen in die eigene Stimme – und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
