Träumst du noch oder schreibst du schon? Es ist ja nun mal so, dass viele Menschen „gerne mal“ einen Roman zu schreiben wollen. Die Idee ist da, vielleicht sogar schon seit Jahren. Doch zwischen der ersten Inspiration und einem fertigen Manuskript liegt ein langer Weg – und auf diesem Weg lauern einige typische Stolperfallen.

Als Lektorin und Schreibmotivatorin frage ich mich immer wieder, warum manche interessante Projekte ins Stocken geraten, bevor überhaupt die Hälfte geschafft ist. Das liegt selten am Talent der AutorInnen. Viel häufiger sind es ein paar ganz typische Denk- und Arbeitsmuster, die sie ausbremsen.

Hier sind fünf Fehler, die besonders häufig passieren, wenn man seinen ersten Roman schreibt – und Strategien, wie du sie vermeiden kannst.

Fehler Nr. 1: Du wartest auf die perfekte Idee

So äußert sich das

Du hast vielleicht Notizbücher voller Ansätze. Oder Dateien mit Titeln wie „Romanidee_final_neu.docx“.

Aber du fängst nicht an, weil du denkst Das ist noch nicht perfekt; weil du denkst Ich brauche erst den genialen, noch nie dagewesenen Plot

Warum ist das ein Fehler?

Ganz ehrlich: Die perfekte Idee wird nicht kommen.

Und wenn du mal darüber nachdenkst, wirkst du merken, dass die meisten Romane keine Weltneuheit in sich tragen. Die Grundideen sind oft erstaunlich schlicht: verbotene Liebe, Rache, Coming of Age, ein Geheimnis aus der Vergangenheit.

Was den Unterschied macht, ist gar nicht die Idee selbst, sondern wie du sie umsetzt: Es geht darum, wie du mit der Perspektive, den Figuren, Konfliken usw. umgehst – und das ist SchreibHANDWERK.

Thomas Edison wird der Satz zugeschrieben:

Genie ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.

Übertragen auf das Schreiben heißt das:
Die Idee ist der Funke, das eine Prozent.
Der Rest – also der Roman – entsteht durch Arbeit.

Solange du auf die eine brillante Eingebung wartest, verpasst du die 99 Prozent, die dich wirklich weiterbringen. Oder: Eine mittelmäßige Idee, konsequent umgesetzt, schlägt jede brillante Idee im Wartezustand.

So vermeidest du diesen Fehler

  • Sammle Ideen, aber setze dir eine Entscheidungsfrist.
  • Wähle nicht die „genialste“ deiner Ideen, sondern die, die dich emotional packt.
  • Verpflichte dich für 30 Tage zu genau diesem Projekt.
  • Erlaube der Idee, beim Schreiben besser zu werden.

Fehler Nr. 2: Du planst entweder gar nicht – oder du tust nichts anderes

So äußert sich das

In der Schreibwelt gibt es zwei Lager: Plotter und Pantser.

Die einen sagen: „Ich fange einfach an. Die Geschichte wird sich schon entwickeln.“ Das sind die Pantser, die aus dem Bauch heraus schreiben, intuitiv, spontan, ohne Plan.

Die anderen, die Plotter, haben für jede Figur einen ausgefüllten Charakterbogen, kennen die politische Struktur ihrer Fantasiewelt im Detail und wissen, wie das Wetter am dritten Dienstag im April ist – aber Kapitel 1 existiert noch nicht.

Beide Extreme fühlen sich produktiv an. Beide können dich zuverlässig ausbremsen.

Warum ist das ein Fehler?

Wenn du komplett ohne Plan losziehst, kann das am Anfang berauschend sein. Alles ist möglich. Alles fühlt sich kreativ an. … Bis du bei Seite 40 merkst: Du weißt gar nicht, worauf das Ganze hinausläuft.

Ohne Orientierung verzettelst du dich leicht. Figuren laufen in unterschiedliche Richtungen, Konflikte verpuffen, und irgendwann stehst du in einer Sackgasse.

Das andere Extrem wirkt strukturierter – ist aber oft nur eine elegante Form der Prokrastination: Du planst und optimierst und perfektionierst, weil Planen sicherer ist als Schreiben. Solange du vorbereitest, musst du dich dem leeren Dokument nicht wirklich stellen.

Im ersten Fall fehlt dir die Richtung, iIm zweiten der Mut zum Start.

So vermeidest du diesen Fehler

Wie wäre es, wenn du Planung nicht als Käfig siehst, sondern als Werkzeug?

Konkret bedeutet das:

  • Definiere Anfang, Wendepunkt und mögliches Ende.
  • Kläre den zentralen Konflikt deiner Hauptfigur.
  • Plane grob – in Etappen statt in Details.
  • Erlaube dir, den Plan während des Schreibens anzupassen.

Fehler Nr. 3: Du erzählst zu viel – statt Szenen zu zeigen

So äußert sich das

Viele Anfänger haben das Gefühl, sie müssten ihre LeserInnen möglichst klar informieren. Also erklären sie, was passiert – und vor allem, was die Figuren fühlen.

Dann liest man Sätze wie:

Sie war sehr wütend.
Er hatte große Angst.
Zwischen ihnen herrschte eine angespannte Stimmung.

Oder ganze Passagen, in denen die Vergangenheit einer Figur zusammengefasst wird, bevor überhaupt eine Szene begonnen hat.

Auch Figuren werden oft beschrieben, bevor sie handeln:
Augenfarbe, Kleidung, Lebenslauf – alles steht da. Nur erlebt man die Person dadurch nicht.

Warum ist das ein Fehler?

Ein Roman ist kein Bericht. Er ist ein Erlebnis. LeserInnen wollen nicht darüber informiert werden, dass eine Figur wütend ist – sie wollen diese Wut spüren. Sie wollen nicht hören, dass eine Situation angespannt ist – sie wollen sie miterleben.

Wenn du nur erklärst, bleibt zwischen Text und Leser eine Distanz.
Szenen dagegen ziehen uns mitten ins Geschehen.

Der Unterschied ist ungefähr so groß wie zwischen jemandem, der dir von einem Streit erzählt – und dem Moment, in dem du selbst im Raum stehst, während zwei Menschen sich anschreien.

Romane funktionieren über Erfahrung, nicht über Zusammenfassung.

So vermeidest du diesen Fehler

Der bekannteste Grundsatz lautet: Show, don’t tell.

Das bedeutet nicht, dass du nie etwas erklären darfst. Aber die wichtigen Momente deiner Geschichte sollten in Szenen stattfinden.

Ein paar praktische Ansätze:

  • Zeige Gefühle über Handlung.
    Statt „Sie war wütend“: Was tut sie? Wie spricht sie? Wie reagiert ihr Körper?
  • Nutze Dialoge.
    Gespräche machen Beziehungen und Konflikte unmittelbar erlebbar.
  • Baue konkrete Situationen.
    Lass deine Figuren etwas tun, entscheiden, scheitern.
  • Frage dich bei erklärenden Passagen:
    Könnte ich daraus eine Szene machen?

Ein einfacher Test hilft oft: Wenn du eine Passage laut liest und sie klingt wie eine Zusammenfassung, fehlt vermutlich noch eine Szene.

Fehler Nr. 4: Du hörst zu früh auf

So äußert sich das

Am Anfang läuft alles wunderbar – die Idee begeistert dich, die ersten Szenen schreiben sich fast von selbst, und du hast das Gefühl: Das könnte wirklich ein Roman werden.

Doch irgendwann verändert sich etwas. Die Geschichte wird komplizierter. Die Figuren wissen plötzlich nicht mehr so genau, was sie tun sollen. Und du merkst, dass das Projekt viel größer ist, als du gedacht hast.

Die Euphorie verschwindet – und stattdessen kommen Zweifel.

Ist die Idee wirklich gut genug? Ist mein Stil überhaupt brauchbar? Hat nicht längst jemand etwas Ähnliches geschrieben, nur viel besser?

Viele Projekte enden genau an diesem Punkt.

Warum ist das ein Fehler?

Die schwierige Phase in der Mitte ist kein Zeichen dafür, dass dein Roman gescheitert ist. Sie ist ein normaler Teil des Schreibprozesses. Lies das noch einmal: Die schwierige Phase ist ein normaler Teil des Schreibprozesses.

An diesem Punkt trennt sich oft:

„Ich hatte mal eine Romanidee.“
von
„Ich habe ein Manuskript geschrieben.“

Ein Roman entsteht nicht nur aus Inspiration, sondern aus Ausdauer. (Erinnere dich: ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration.)
Ausdauer entwickelt sich erst, wenn du lernst, auch durch die zähen Stellen hindurchzuschreiben.

So vermeidest du diesen Fehler

Ein hilfreiches Konzept stammt aus dem Schreibprozess vieler AutorInnen: Schreib zunächst deinen „shitty first draft“.

Die Idee dahinter ist simpel: Deine erste Fassung muss nicht gut sein. Sie muss nur existieren.

Erlaube dir deshalb:

  • unperfekte Szenen zu schreiben
  • Handlungslücken erst einmal stehen zu lassen
  • Dialoge zu formulieren, die du später überarbeitest
  • einfach weiterzugehen, auch wenn nicht alles rund ist

Die Rohfassung ist kein fertiger Roman. Sie ist das Material, aus dem dein Roman später entsteht. Oder:
Man kann nur überarbeiten, was bereits geschrieben ist.

Fehler Nr. 5: Du willst beim ersten Versuch literarisch unsterblich werden

So äußert sich das

Viele angehende Autor:innen setzen sich selbst enorm unter Druck. Jeder Satz soll brillant sein. Jede Szene tiefgründig. Jeder Dialog zitierfähig.

Manche überarbeiten schon während des Schreibens jede Seite mehrfach. Andere kommen über das erste Kapitel kaum hinaus, weil sie ständig das Gefühl haben, der Text sei noch nicht gut genug.

Der Anspruch ist hoch – und genau das wird zum Problem.

Warum ist das ein Fehler?

Wenn du versuchst, schon beim ersten Durchgang einen perfekten Roman zu schreiben, blockierst du dich selbst.

Schreiben und Überarbeiten sind zwei völlig unterschiedliche Arbeitsprozesse. Beim Schreiben entsteht die Geschichte. Beim Überarbeiten wird sie besser. Wenn du beides gleichzeitig verlangst, entsteht leicht eine klassische Schreibblockade: Du willst weiterschreiben – aber nichts wirkt gut genug.

Das Ergebnis ist oft ein perfektioniertes erstes Kapitel und ein Roman, der nie fertig wird.

So vermeidest du diesen Fehler

Betrachte dein erstes Buch als Lernprojekt.

Das bedeutet nicht, dass es schlecht sein muss. Aber es bedeutet, dass du dir erlaubst, während des Schreibens besser zu werden.

Hilfreich ist es, Schreiben und Überarbeiten bewusst zu trennen:

  • Schreibe zunächst die Geschichte zu Ende. (siehe: shitty first draft)
  • Widerstehe der Versuchung, ständig zurückzugehen.
  • Plane eine eigene Phase für die Überarbeitung ein.

Viele AutorInnen stellen rückblickend fest:
Das Wichtigste an ihrem ersten Roman war nicht das Ergebnis – sondern alles, was sie beim Schreiben gelernt haben.

Ein Manuskript, das noch nicht perfekt ist, bringt dich weiter als ein perfektes erstes Kapitel.

Fazit: Wie du wirklich ins Schreiben kommst

Viele angehende AutorInnen scheitern nicht an mangelnder Kreativität – sondern an ein paar typischen Stolperfallen.

Sie warten zu lange auf die perfekte Idee.
Sie planen entweder gar nicht oder verlieren sich endlos in der Vorbereitung.
Sie erklären zu viel, statt ihre Figuren in Szenen handeln zu lassen.
Sie geben auf, wenn das Schreiben anstrengend wird.
Oder sie setzen sich so sehr unter Druck, dass sie gar nicht erst vorankommen.

Die gute Nachricht: All diese Fehler lassen sich vermeiden. Schreiben ist kein mystisches Talent, das man entweder besitzt oder nicht. Es ist ein Handwerk – und wie jedes Handwerk lässt es sich lernen.

Der wichtigste Schritt ist deshalb ganz einfach: anfangen. Und der nächste Schritt lautet: dranbleiben.

Wenn du gerade mit deinem ersten Roman kämpfst oder nicht weißt, wie du deine Idee zu einer tragfähigen Geschichte entwickeln kannst, unterstütze ich dich gern dabei.

👉 Über den Kontaktbutton auf meiner Website kannst du dich jederzeit bei mir melden und ein unverbindliches Gespräch vereinbaren.

Vielleicht wird aus deiner Idee schon bald mehr als nur ein Gedanke. Vielleicht wird daraus dein erstes Manuskript.