Ich war lange skeptisch, wenn es um Selfpublishin ging. Vielleicht sogar mehr als das. In meiner Zeit als Lokalredakteurin landeten immer wieder Bücher auf meinem Tisch, die im Selbstverlag veröffentlicht wurden. Und auch wenn ich mir Mühe gab, faire Worte zu finden – wirklich überzeugt war ich selten. Damals war für mich klar: Wer „richtig gut“ ist, geht zu einem Verlag.
Heute sehe ich das komplett anders.
Was passiert ist?
Warum ich meine Meinung über Selfpublishing grundlegend geändert habe – und warum ich heute sogar mit voller Überzeugung AutorInnen und Autoren auf diesem Weg begleite – darum geht es in diesem Artikel.
So habe ich früher über Selfpublishing gedacht
„Damals“ – als ich noch in einer Lokalredaktion arbeitete – kamen immer mal wieder Zeitungsleser an, die ein Buch geschrieben hatten. Jetzt, da irgendein Bekannter oder Verwandter, der zufällig in einer Druckerei arbeitete, das Werk gedruckt hatte, sollte das über die Tageszeitung verkündet werden. „Schreiben Sie halt etwas Nettes“, sagte man zu mir. Und meist gelang es mir auch, etwas Unverfängliches über das Buch zu sagen. Aber ein ungutes Gefühl blieb. Hätte ich den Autor/die Autorin nicht besser vom Veröffentlichen abhalten sollen?
Unprofessionell: Das war lange Zeit meine Meinung, wenn es um Selfpublishing ging. Und tatsächlich war das, was ich auf den Tisch bekam, auch so. Die Texte waren mehr oder weniger gut, Rechtschreibung und Zeichensetzung mit viel Glück befriedigend, aber Buchsatz und Cover meist ganz klar ungenügend. Man sah es einfach auf einen Blick: Das war kein professionell produziertes Buch.
Und so festigte sich damals auch in mir ein gängiges Vorurteil: SelfpublisherInnen sind vermutlich nicht gut genug für einen Verlag. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass diese Meinung in einer Zeit gebildet wurde, in der es noch keine E-Books und kein Print on Demand gab, Denn genau das, sollte später alles verändern!

Warum ich 2019 meine Meinung über Selfpublishing geändert habe
Ich habe es selbst getan! Anfang 2018 hielt ich ein Manuskript in Händen, an dem ich als Co-Autorin maßgeblich mitgewirkt hatte. Zu der Zeit arbeitete ich noch als festangestellte Lokalredakteurin. Von Buchcommunities wie Bookstagram hatte ich noch nie gehört. Meine Veröffentlichungsstrategie war entsprechend klassisch: Ich würde ausgewählte Verlage anschreiben. Sollte keiner Interesse haben, konnten wir es ja mit einer Literaturagentur probieren.
Kurz gesagt: Wir – der Autor und ich sowie die Literaturagentin, die wir später noch beauftragten – fanden keinen Verlag, der Interesse hatte. Mittlerweile war jedoch mein Vorurteil ins Wanken geraten. Ich fand die Idee unseres Buches so charmant, dass ich es einfach in die Welt hinausgeben wollte. Der Autor und ich entschieden uns also 2019: „Dann machen wir’s halt selbst!“
So habe ich BOD kennen und schätzen gelernt. Als Redakteurin mit langjähriger Erfahrung im Seitenlayout fiel es mir nicht schwer, mich dort einzuarbeiten und unser Manuskript hochzuladen. Erst da merkte ich, wie sehr sich Selfpublishing verändert hatte. Da waren mittlerweile Dinge möglich, die ich mir bis dato nicht vorgestellt hatte: Unser Buch erhielt zum Beispiel eine ISBN-Nr. und konnte somit über den Buchhandel oder online bestellt werden. Ich musste mir eingestehen: Mein Bild vom Selfpublishing war längst überholt.

Heute weiß ich: Selfpublishing rockt!
Seit meinem Coming-Out als Selfpublisherin habe ich unglaublich viel dazugelernt – so viel, dass ich heute als freie Lektorin mit voller Überzeugung AutorInnen dabei unterstütze, ihre Bücher selbst herauszugeben.
Selfpublishing bedeutet für mich heute: Freiheit, Gestaltungsspielraum und Professionalität auf Augenhöhe mit Verlagen.
Ein Schlüsselmoment war für mich das Jahr 2025: Als Mitglied der Vorjury des Selfpublishing Buchpreises, ausgelobt vom Selfpublisher-Verband, habe ich zahlreiche Bücher gelesen – und war überrascht, wie viele davon sich qualitativ nicht mehr von Verlagsbüchern unterscheiden ließen. Spätestens da wusste ich: Mein altes Bild war überholt.
Mein Wissen habe ich mir über die Jahre gezielt aufgebaut – unter anderem durch Weiterbildungen (Buch Akademie Berlin), Workshops (VFLL) und den Austausch mit ExpertInnen aus der Branche (Wolfgang Tischer, Matthias Matting). Die Selfpublishing-Szene ist heute gut vernetzt, professionell aufgestellt und bietet AutorInnen viele Möglichkeiten, ihre Bücher erfolgreich zu veröffentlichen
Und wenn du mit dem Gedanken spielst, dein Buch selbst zu veröffentlichen und dabei unterstützt werden möchtest, dann melde dich hier gerne bei mir. Auf alle Fälle möchte ich dir zum Thema Selfpublishing mitgeben: Nicht der Weg zur Veröffentlichung entscheidet über die Qualität eines Buches – sondern die Sorgfalt, die Leidenschaft und die Menschen dahinter.
